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Rezension

Von lebendigen Handtaschen

Gestern startete also die dritte Staffel von Germany's Next Topmodel . Ziemlich am Anfang kommentierte eine Kandidatin ihre Aufregung folgendermaßen: "Das Herz pocht, die Hände schwitzen, das Gehirn schaltet völlig aus." Danke für diese erfrischend ehrliche Einschätzung der Sendung.

Ansonsten fand ich's ziemlich langweilig. Der neue Bruce Darnell heißt Rolf Scheider, spricht mit einem französischen Akzent, der sich nur damit erklären lässt, dass er Rolf heißt, und passt sich in seiner sexuellen Orientierung gut in die Rolle ein, auch wenn ich bei folgendem Satz kurz gestutzt habe: "[zählt einige Models auf] Ich glaub ich hab sie alle durchgecastet." Das war aber auch schon das humoristische Highlight der Show, ein neuer Bruce scheint Rolf nicht zu sein.

Eher unfreiwillig komisch war eine Szene, in der eine sehr dünne Kandidatin (48kg bei 1,70m) von den Juroren dazu aufgefordert wurde, nochmal im Bikini zu kommen. Das wollte sie nicht (wohl weil ihr klar war, dass man ihre Rippen einzeln zählen können würde), sie packte ihre Sachen. Aber natürlich ging Heidi (diese Stimme, argh!) nochmal zu ihr und redete ihr ins Gewissen, dass sie genau wisse dass sie zu dünn sei und deshalb gehe, und das sei gut. Und dann erklärte Heidi nochmal in die Kamera, dass man ja den Mädchen da draußen ein Vorbild sein wolle. Da hätte ich fast gekotzt (aber das überlasse ich lieber den Kandidatinnen). Diese Moralnummer war so offensichtlich gestellt und gewollt, man hätte auch direkt einblenden können "Hiermit erklären wir, dass wir Magersucht ganz viel blöd finden, weil wir Angst haben, dass uns die KJM auch 100.000€ Strafe aufbrummt wie dem Dieter."

Fazit: ohne Bruce (und weiterhin mit Heidi) ist diese Show eine noch größere Qual als in den letzten Jahren. Die Highlights kann man sich sicher wieder bei Stefan Raab angucken, dafür ist mir meine Zeit selbst am programmschwachen Donnerstag zu schade. 

29.2.08 13:09


Germany's next Psycho-Teen

Ich habe gestern immer mal wieder in die neue Staffel von Teenager außer Kontrolle reingeschaut. Ganz anschauen kann ich mir sowas nicht, bei so viel Fremdschämen muss ich immer umschalten. Aber warum läuft sowas eigentlich im Fernsehen? Quote natürlich, ist klar, blöde Frage. Aber ganz ehrlich: ich verstehe das Konzept der Sendung nicht (wie übrigens auch bei der Super-Nanny etc.). Ich verstehe es nicht nur nicht, ich finde es abartig dass solche Sendungen im Fernsehen zu sehen sind. Da regt sich die halbe Nation über Ekel-TV wie das Dschungelcamp auf, aber sowas darf man zeigen ohne dass der Untergang des Abendlandes beschworen wird?

Natürlich, auch diese Teenager begeben sich freiwillig in die Hände des Senders. Sie wissen, dass sie ins Fernsehen kommen, sind gecastet, gekauft. Aber wenn dann der kalte Entzug losgeht, die Nerven völlig blank liegen, die Teenager ausrasten, um sich schlagen, zu Boden gedrückt werden, sich wie ein Haufen Elend im Dreck wälzen, dann wird doch klar, dass sie keine Ahnung hatten, was sie erwartet. Und so gut kann niemand schauspielern. Und wenn dann einer nach dem Kameramann schlägt, spätestens dann stellt sich doch die Frage, ob es wirklich eine gute Idee ist, solch ein Therapieprogramm (welches ich grundsätzlich für gut halte) von Kamerateams begleiten zu lassen. Sicher wären die Erfolgschancen größer, wenn man die Therapie ungefilmt durchführen würde, wenn die Teenager nicht ständig von Kameras umringt wären und sich nicht fragen müssten, wer da zu Hause gerade ihren Zusammenbruch gesehen hat und sie deswegen bei der Rückkehr vielleicht fertig machen könnte.

Aber traurigerweise würde auch ohne Kameras niemand dieses Projekt bezahlen.

28.2.08 13:47


Alter Mann läuft Amok...

...der Albtraum jedes Seniorenheim-Zivis.

Waren also gestern in John Rambo.

Total number of people killed
I: "First Blood" (1982): 1
II: "Rambo: First Blood Part II" (1985): 69
III: "Rambo III" (1988): 132
IV: "Rambo" (2008): 236
--
Number of people killed per minute
I: "First Blood" (1982): 0.01
II: "Rambo: First Blood Part II" (1985): 0.72
III: "Rambo III" (1988): 1.30
IV: "Rambo" (2008): 2.59

Das beschreibt den Film eigentlich schon ganz gut (Story: Missionare wollen Opfern des Militärregimes in Birma helfen, werden gefangen genommen, Rambo geht mit einer Söldnertruppe rein und rettet sie). Es sagt allerdings nichts über die Fülle an übertriebener Gewalt aus, die John Rambo prägt. Stallone wollte angeblich auf die Umstände in Birma aufmerksam machen, also lässt er den Film dort spielen, zeigt die Brutalität des Militärregimes in all ihrer...nun, Brutalität. Er erweist seiner Botschaft aber gleich in zweierlei Hinsicht einen Bärendienst: 1. ist die Gewalt zum Teil so gnadenlos überzeichnet und unrealistisch, dass sich niemand denken wird "Wow, so schlimm ist es in Birma?" Etwas weniger fliegende Körperteile und durchlöcherte Leichen hätten nicht geschadet. 2. Wenn dieser Film eine Botschaft übermitteln soll, dann hat Stallone etwas vergessen: die Botschaft! Was soll uns John Rambo sagen? Humanitäre Hilfmissionen bringen nichts, weil am Ende eh eine Söldnergruppe die blöden Missionare retten muss? Nimm immer einen Vietnamveteranen mit wenn du schon helfen musst? Amerikanische Leben sind wertvoller als andere? Die Söldner um Rambo befreien die Gefangenen aus einem Militärlager, lassen dabei aber zu, dass mehrere einheimische Frauen vergewaltigt werden, Rambo schaut quasi dabei zu wie der Campführer einen kleinen Jungen missbraucht (warum war es so klar, dass der Oberbösewicht pädophil und schwul ist?). Muss ja heimlich, still und leise passieren. 5 Filmminuten später werden dann aber alle bösen Vietcong Birmesen in der finalen Schlacht abgeschlachtet. Ne, ne, ne Herr Stallone, so wird das mit der Sozialkritik nichts.

Bei all der Kritik am Werk bleibt aber: Er ist Rambo, Mann!

25.2.08 13:55





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